Über Werber und Nichtwerber

Zur Begriffserklärung der Überschrift:

Werber nenne ich hier die Vertreter von Werbeagenturen, Marketingberater oder Leiter oder Ausführende in sogenannten Marketingabteilungen oder universell talentierte Unternehmensberater.

Nichtwerber nenne ich alle, die sich außerhalb der Funktion der beschriebenen Werber befinden. Klarer, der werbliche Zivilist, der Konsument, der Mensch der Berührung mit dem Thema Werbung hat.

Alle in der Begriffserklärung Vertretenden haben eines gemeinsam. Alle sind der Werbung ausgesetzt. Ob sie wollen oder nicht. Ob sie behaupten sie würden sich überhaupt nicht für Werbung interessieren und/oder seien von Werbung gar nicht beeinflussbar. Letztendlich sitzen alle im selben Boot.

Gerade die Menschen, welche behaupten, sie seien durch Werbung überhaupt nicht beeinflussbar, beweisen durch ihre Abwehrhaltung, wie emotional das Thema Werbung ist. Werbung ist für jeden erfahrbar. Visuell, akustisch, taktil oder olfaktorisch. Somit ist die Werbung auch etwas Vertrautes. Ein Thema, in dem man schnell zum Experten wird. Manch ein Mitverantwortlicher oder Entscheider fühlt sich also schnell in der Lage, etwas Sinnvolles in Form seiner eigenen Meinung beizutragen oder eine Entscheidung sogar zu verantworten.

Das lass ich jetzt mal alles so stehen und gehe gedanklich in eine andere Branche. Nehmen wir mal an, in einem Operationssaal befinden sich ein Herzspezialist und zwei Allgemeinmediziner. Auf dem Operationstisch liegt ein Patient. Er ist insoweit vorbereitet, dass der Herzspezialist mit der Operation am offenen Herzen beginnen kann. Leider bekommt der Herzspezialist einen Herzinfarkt und fällt tot um. Der Patient ist jetzt verloren. Denn die beiden Allgemeinmediziner kämen bei klarem Verstand nicht auf die Idee, die Herzoperation durchzuführen.

Andersherum könnte ich mir gut vorstellen, dass ein toter Werber, der mit den zwei Allgemeinmedizinern gerade eine neue Imagebroschüre erstellen wollte, nicht das Ende aller Tage ist. Die beiden Allgemeinmediziner können die Broschüre auch ohne den in den Himmel gefahrenen Werber erstellen. Denn das Thema ist vertraut. Und eigentlich ist ja Werbung im eigentlichen Sinne in dieser Branche auch nicht erlaubt.

Jetzt stelle ich hier ja alles so da, als ob es egal ist, wer die Werbung macht. Ob Experte oder Laie, das macht keinen Unterschied. Im Prinzip ist es wirklich so. Denn grundsätzlich muss es nicht zwangsläufig eine tragende Rolle spielen, ob ein Mensch ein professioneller Werber ist oder ein Nichtwerber.

Im Prinzip gibt es meiner Meinung nach nur zwei Typen von Werbern:
Den guten und den schlechten Werber.

Dem professionellen Werber aus dem Beispiel, der jetzt im Himmel auf seiner Wolke sitzt, bleibt dann nur eine Hoffnung: Hoffentlich gehören die zwei Allgemeinmediziner der Gattung gute Werber an. Denn falls der liebe Gott über die Qualität der Imagebroschüre schimpft und die Allgemeinmediziner sich mit dem Hinweis sie seien Allgemeinmediziner und keine Werber zurückziehen, muss der arme professionelle Werber das Donnerwetter ertragen.

Also kann meine These, dass es nur den guten und den schlechter Werber gibt, nur dann in der werblichen Praxis überleben, wenn auch alle dazu bereit sind, Mitverantwortung zu übernehmen. Reden ist gerade für den Selbstdarsteller eine tolle Bühne. Bloß gerade bei den Selbstdarstellern fällt der Vorhang besonders schnell, wenn es um Mitverantwortung geht.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Bowe Scheer